 Sonntag, 23.09.2007 - es ist ca. 02:10 in der Nacht als die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz, THW und weiteren Hilfskräften zum Einsatz nach Dörfleins auf den Bahndamm hinter dem Sportlerheim gerufen wurden. Eine Übung für den Ernstfall - die Helfer erwartete ein Szenario, welches ihre ganze Kraft forderte...
Die Rettungskräfte erwartete an diesem Übungsschauplatz ein Bild, welches man niemals in der Realität sehen möchte. Die Feuerwehr und das THW ist mit schwerem Gerät dabei, eingeklemmte und größtenteils schwer verletzte Personen aus dem "Zugwrack" und den Abteilen zu befreien. Die Rettung der Menschen gestaltete sich durch den steilen Bahndamm sehr schwierig und war auch für die Helfer nicht ungefährlich. Die Aufgabe unserer Bereitschaft war klar definiert - zusammen mit dem anwesenden hauptamtlichen Rettungsdienstpersonal eine Verletztensammelstelle errichten und die von den technischen Hilfskräften gebrachten Personen in dieser Station zu stabilisieren. Die Betroffenen müssen schnellstmöglich erstversorgt und dann weiter zum Hauptverbandplatz transportiert werden. Dieser Hauptverbandplatz führt weiterführende Maßnahmen durch und versucht die Transportfähigkeit in die Krankenhäuser weitestgehend herzustellen. Ebenso ist es unerlässlich, die Menschen dementsprechend schriftlich zu erfassen und zu registrieren, damit Angehörige ihre Verwandten schnell in den entsprechenden Krankenhäusern finden können. Hierfür wird eigens ein zentrales Auskunftsbüro vom Roten Kreuz eingerichtet. Durch die Nebelnacht und damit verbundene nasskalte Witterung wurden für unsere Verletztensammelstelle zwei Zelte aufgestellt. Den Aufbau und die Sicherung der Infrastruktur übernahm die BRK-Gruppe Technik & Sicherheit unseres Kreisverbandes Bamberg. Unsere Helfer übernahmen die verletzten Personen von den technischen Hilfskräften, begannen mit der Erstversorgung und registrierten die Opfer. Wichtig war ein koordiniertes Vorgehen, hierzu wurden die Patienten in verschiedene Behandlungskategorien eingeteilt, um die größtmögliche Effektivität bei der Erstversorgung zu erreichen. Innerhalb von kürzester Zeit mussten unsere Helferinnen und Helfer sich mit ca. 30 Verletzten - viele davon teilweise schwer - auseinandersetzen. Der Stressfaktor für die Helfer war zu diesem Zeitpunkt enorm!!
 Unglücksstelle der Übung in Dörfleins - Im Bild links - Helfer Alexander Strauss Unser Notarzt untersuchte die Opfer, begann mit den nötigsten Basismaßnahmen und dirigierte die Dringlichkeit des Abtransportes in den ca. 300m weiter entfernten Hauptverbandplatz. Da die Entfernung aufgrund der Lage des Schadensgebietes zu Fuss zu viel Zeit gekostet hätte, wurde die Verlegung mit Rettungs- und Krankenwägen durchgeführt. Aufgrund der schnell zunehmenden Verletztenzahl und der damit verbundenen Wartezeiten wurde ein zweiter Notarzt alarmiert, damit die Sichtung, die Behandlung und der Weitertransport nicht ins Stocken kam und zügig erfolgen konnte.  Helfer bei der Betreuung einer Verletzten Die Lage an unserer Sammelstelle entspannte sich nach ca. zwei Stunden. Die Helferinnen und Helfer konnten langsam wieder etwas durchatmen. Das Übungsende wurde gegen ca. 4:30 Uhr bekannt gegeben. Anschließend wurde unser Equipment wieder verstaut und man verarbeitete untereinander in Gesprächen das Erlebte. Die FF Hallstadt stellte Ihr Gerätehaus zur Verfügung - hier konnten sich alle Helferinnen und Helfer dann mit einer Brotzeit stärken, bevor die Fahrzeuge in den Wachen wieder einsatzklar gemacht wurden. Gegen 07:00 Uhr früh war der Einsatz dann für unsere Bereitschaft beendet und die Helfer machten sich auf den Heimweg und freuten sich auf ihr warmes Bett! Hier ein paar Gedanken und Danksagungen zu der Übung vom verantwortlichen Verfasser dieses Artikels:
- Leider mussten die Notärzte an unserer Verletztensammelstelle von zwei erfahrenen BRK-Helfern gespielt werden, da unsere beruflichen Ärzte wahrscheinlich keine Zeit für diese Übung hatten oder anderweitig verhindert waren. Alle Helferinnen und Helfer der eingesetzten BRK-Gemeinschaften arbeiten unentgeltlich und opfern ihre Freizeit für die Menschlichkeit und die Nächstenliebe! Ohne diese Ehrenamtlichen könnte das gesamte Katastrophenschutz-System nicht bestehen und wäre niemals finanzierbar, weder vom Bund noch von den Ländern! Bitte liebe Ärzte finden Sie das nächste Mal auch die Zeit, sich an solchen wichtigen Übungen kostenlos zu beteiligen - vielen Dank!
- Ein großer Dank geht an alle Helferinnen und Helfer der Bereitschaften. Durch Euer zahlreiches Erscheinen, der motivierten und engagierten Mitarbeit konnte die Übung gut gemeistert werden. Gerade an unsere Frischlinge der BRK-Bereitschaft Bamberg3-Hallstadt ein dickes Lob, Ihr habt Euch gut geschlagen!
- Ebenfalls möchte ich Danke zu unseren beruflichen Kollegen, den Profis der Rettungswachen sagen. Eure Erfahrung, Unterstützung und Tipps waren absolut wichtig und halfen dem einen oder anderen "Frischling". Herzlichen Dank an Euch!
Am Donnerstag, den 27.09.2007 findet die Übungsnachbesprechung statt. Bitte kommt alle zu diesem Termin, damit wir gemeinsam über das Erlebte reden können. Details findet Ihr in unserem BRK-Forum. Solche Übungen sind wichtig und unabdingbar für den Erfahrungsschatz einer ehrenamtlichen Gemeinschaft - trotzdem wünsche ich es mir und uns Allen, das wir solch ein Szenario niemals in der Realität erleben müssen.
Herzlichen Dank! Alexander Herzog Verfasser 23.09.2007
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